Nationalsozialismus im Alltag: Buch und DVDs

Am 10 Februar erscheint in unserem Verlag eine vieteilige DVD Serie und  ein Begleitbuch zum Thema:
Nationalsozialismus im Alltag von Johannes Volker Wagner

(Dr. Johannes Volker Wagner Autor des Buchs und der Filme, ist ausgewiesener Nationalsozialismus Forscher. Er hat sich seit vielen Jahren wissenschaftlich und medial, aber auch beruflich - als Referent beim Bundesarchiv und langjähriger Direktor des Stadtarchivs Bochum - mit Fragen zur NS-Zeit beschäftigt)

Vor 80 Jahren, im politischen Krisenjahr 1932, wurde die Weimarer Republik zu Grabe getragen. Die Übergabe der Macht an Adolf Hitler am 30. Januar 1933 war nur noch ein Schlusspunkt, ein Schlusspunkt allerdings, der zu Terror, Krieg und unvorstellbaren Verbrechen führte. Wie konnte das geschehen? Eine Frage, bei der auch immer jene andere bange Frage mitschwingt: Kann es noch einmal geschehen? Und: Wie kann dies verhindert werden? Der englische Historiker Ian Kershaw hat in seiner neuen Hitler-Biographie hierzu - wie auch schon viele andere vor ihm - die Antwort gegeben, dass es unabdingbar sei, „immer wieder neu zu fragen, wie Hitler möglich wurde. Nur über die Geschichte können wir für die Zukunft lernen”. An diesem immerwährenden Lernprozess will die vorliegende Edition mitwirken, die sich in unterschiedlichen medialen Ausdrucksformen an ein breites Publikum, aber auch an den bildungspolitischen und schulischen Bereich wendet. Die Filme sollen dazu beitragen, die bisherigen Arbeiten über die NS-Zeit auf optisch eindrucksvolle und zugleich authentische Weise dergestalt zu ergänzen, dass der Alltag in möglichst vielen Facetten erfasst und verständlich gemacht wird. Dieser Alltag ist am ehesten zu verdeutlichen durch einen intensiven Blick auf das alltägliche Leben an einem ganz konkreten Ort: dort, wo jeder das Aggressiv-Brutale und zugleich Verführerische der neuen „Bewegung” unmittelbar erleben, die Herrschaftspraktiken, die Drohgebärden, die Gewalt und den Totalitätsanspruch des Regimes an sich selbst erfahren konnte - und darauf reagieren musste. Durch die Filmedition im Verbund mit der Buchveröffentlichung entsteht ein multimediales Ensemble, das aus unterschiedlichen Blickwinkeln einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der NS-Zeit leisten kann.

9783819608360.jpgJohannes Volker Wagner: Nationalsozialismus im Alltag, Filmbegleitbuch und Historisches Lesebuch, Bochum 2012, ISBN 978-3-8196-0836-0, kart. 110 S. 19 x 12 cm. EUR 12,90 

Hier finden Sie eine umfangreiche Leseprobe  des Buches

Die Veröffentlichung verfolgt zwei Ziele: Sie will als Filmbegleitbuch zum tieferen Verständnis von vier Filmen über den „Nationalsozialismus im Alltag” beitragen und sie will darüber hinaus durch Zeitzeugen-Erinnerungen, kommentierende Texte und Essays ein informatives und lehrreiches Historisches Lesebuch sein, das aus einem besonderen Blickwinkel heraus wesentliche Probleme der NS-Zeit anspricht und erläutert. Das Buch will einen intensiven Blick auf das alltägliche Leben an einem ganz konkreten Ort und auf ganz konkrete Lebensschicksale richten. Dieser Ort, der für viele Städte in Deutschland stehen kann, ist die Stadt Bochum und ihr Umfeld, das Ruhrgebiet. Durch den Abdruck des gesamten, stellenweise noch erweiterten Filmtextbuches und durch zusätzliche historische Essays können die Kenntnisse über die NS-Zeit erweitert, Fragen aufgeworfen und Antworten gegeben werden. Dabei zeigt sich, dass es besonders erhellend ist, den Blick nach unten, auf das Leben der „Normalmenschen” zu richten und an konkreten Beispielen zu erfahren, durch welche politischen, wirtschaftlichen und geistigen Bedingungen der NS-Alltag Wirklichkeit werden konnte und wie - unter sehr unterschiedlichen individuellen Aspekten - in diesem Alltag gelebt, gearbeitet, geglaubt, gejubelt, gekämpft, gelitten und gestorben wurde. 

dvd_1.jpgEine Revierstadt wird braun. Nationalsozialismus im Alltag (Film I), Bochum 2012, ISBN 978-3-8196-0801-8, Spieldauer ca. 45 Min. DVD in Box 18,5 x 12 cm. mit Infomaterialien. EUR 19,90

EINE REVIERSTADT WIRD BRAUN: 30. Januar 1933 in Bochum: Fackelzüge, Jubel, Feiern. Vorgeschichte: Weltwirtschaftkrise, Arbeitslosigkeit. Aufmärsche der NSDAP, Gautag in Essen (1926), Wahlkämpfe der Parteien, Straßenschlachten (1930/1932). Hitler im Ruhrgebiet. Machtergreifung und ihre Folgen in der Kommune, Absetzung des Oberbürgermeisters. Gleichschaltung der Gesellschaft, Verbot der Parteien. Verfolgung politischer Gegner. Hitlerjugend, die künftige Elite. Stimmung der Bevölkerung: Begeisterung, aktives Mitmachen, Anpassung, Angst, Widerstand. Die Dokumentarfilme, die als DVD im Rahmen einer kommentierten Edition vorgelegt werden, sollen dazu beitragen, auf optisch eindrucksvolle und zugleich authentische Weise die Zeit des Nationalsozialismus in möglichst vielen Facetten vom Alltag her zu erfassen und verständlich zu machen. Deshalb wird nicht nur das faktische Geschehen eingefangen, sondern - durch die erinnernde Spiegelung der Zeitgenossen - auch die Stimmungslage und die Atmosphäre der Zeit, einer Zeit, die in ihren terroristischen Ausprägungen und verbrecherischen Folgen immer noch ein unbewältigtes Trauma darstellt –für die Deutschen wie für die ganze Welt.

Die Filme bilden zwar eine thematische Einheit, aber jeder Film ist in sich abgeschlossen und kann für sich allein stehen.

dvd_2.jpgArbeit und Leben im Dritten Reich. Nationalsozialismus im Alltag (Film II), Bochum 2012, ISBN 978-3-8196-0802-5, Spieldauer ca. 45 Min. DVD in Box 18,5 x 12 cm. mit Infomat. EUR 19,90

ARBEIT UND LEBEN IM DRITTEN REICH: Feiern zum 1.Mai in Bochum, Zerschlagung der Gewerkschaften, Bildung der Deutschen Arbeitsfront, Arbeitsbeschaffungsprogramme: Straßen- und Wohnungsbau. Wirtschaftliche Erfolge des Regimes: Aufschwung durch Aufrüstung. Die Wirtschaft unterstützt Hitler, Profite der Schwerindustrie. Hitler-Besuche beim Bochumer Verein, bei Krupp in Essen. Arbeitsalltag im Bergbau, in der Eisen- und Stahlindustrie, in der Landwirtschaft. Frauen in der Rüstung: Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter. Judenverfolgung, Holocaust. Haltung der Arbeiter zum Regime, Sabotageakte. Die Dokumentarfilme, die als DVD im Rahmen einer kommentierten Edition vorgelegt werden, sollen dazu beitragen, auf optisch eindrucksvolle und zugleich authentische Weise die Zeit des Nationalsozialismus in möglichst vielen Facetten vom Alltag her zu erfassen und verständlich zu machen. Denn es gilt immer noch jener berühmte Satz des Philosophen Karl Jaspers: „Was geschah, ist eine Warnung. Sie zu vergessen ist Schuld. Man sollte ständig an sie erinnern. Es war möglich, dass dies geschah, und es bleibt jederzeit möglich. Nur im Wissen kann es verhindert werden“

dvd_3.jpgStadt im Krieg - Der Bombenkrieg. Nationalsozialismus im Alltag (Film III), Bochum 2011, ISBN 978-3-8196-0803-2, Spieldauer ca. 45 Min. DVD in Box 18,5 x 12 cm. mit Infomat. EUR 19,90

STADT IM KRIEG - DER BOMBENKRIEG: Deutsche Angriffe auf Coventry und London, Luftangriffe der Engländer und Amerikaner, Zerstörung der Möhnetalsperre. Bombardierung des Ruhrgebiets, der „Waffenschmiede des Reichs“. Ab 1943/1944 massive Zerstörung der Großstädte an Rhein und Ruhr – auch der Stadt Bochum. Einzigartige Filmdokumente zeigen den Feuersturm nach nächtlichen Angriffen: brennende Wohnhäuser, vernichtete Industrien, Menschen, die die Reste ihrer Habe retten, löschen, nach Verschütteten graben, Tote bergen. Kinderlandverschickung, Volkssturm. Einmarsch der Amerikaner. EXTREME NAHAUFNAHME: BOCHUM ALS BEISPIEL: Um das Thema „Nationalsozialismus im Alltag“ filmisch realisieren zu können, schien es wichtig, das Thema so konkret wie nur irgend möglich anzugehen. Deshalb sollte der Nationalsozialismus beispielhaft an vier Themenbereichen, die die Mehrzahl der Menschen substantiell berührt haben - Machtergreifung und die Folgen, Arbeitswelt und Industrie, Bombenkrieg, Widerstand der Arbeiter- am Schicksal einer Stadt (und einer Region) geschildert werden. Durch dieses genaue Hinschauen auf eine kleine Einheit – filmisch gesprochen: durch diese extreme Nahaufnahme – konnte der Blick nach „unten“ gerichtet und so der Alltag und die Stimmungslage der Menschen im Dritten Reich erfahrbar gemacht werden. Nur so schien es möglich, das System der NS-Herrschaft und zugleich seine vielfältigen Auswirkungen auf den Einzelnen deutlich zu machen. Die Stadt, die ausgewählt wurde, war Bochum, eine große Industriestadt mitten im Ruhrgebiet und zugleich die „Gauhauptstadt“ von Westfalen-Süd. Aber Bochum ist immer nur als Beispiel gedacht, als Beispiel für andere deutsche Städte, denn: Bochum war überall.

dvd_4.jpgRuhrarbeiter im Widerstand. Gesprächsprotokolle mit Zeitzeugen. Nationalsozialismus im Alltag (Film IV), Bochum 2012, ISBN 978-3-8196-0804-9, Spieldauer ca. 30 Min. DVD in Box 18,5 x 12 cm. mit Infomateriallien. EUR 19,90

RUHRARBEITER IM WIDERSTAND– Gesprächsprotokolle mit Zeitzeugen: Verfolgung politischer Gegner: Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, andere Sozialistische Gruppierungen. Konzentrationslager. Untergrundarbeit und Widerstandsaktionen, Aktivitäten Einzelner und kleiner Gruppen: Maueranschläge, Flugblattaktionen, Arbeitsverweigerung, Sabotageakte. Fluchtpunkt Ausland. Zerschlagung vieler Widerstandszellen durch die Gestapo. Selbstverständnis der Widerstandskämpfer: Verteidigung moralischer Werte und humaner Traditionen gegen Unrecht und Terror.

ZEITZEUGEN: Menschen von der Straße! Die Überlegung war, dass Antworten nicht nur aus den üblichen filmischen Quellen kommen konnten, sondern dass auch Menschen befragt werden mussten – Menschen, die Zeugnis ablegen konnten, Menschen, die den Nationalsozialismus durchlebt und ihn immer noch als Erinnerung – oft als traumatische Erinnerung – in sich trugen. Aber: Die befragten Zeitzeugen sollten keine bedeutenden Entscheidungsträger gewesen sein, sondern Menschen von der Straße, unsere Nachbarn, unsere Freunde, unsere Mütter und Väter: Mitläufer und Sympathisanten, aktive Parteigenossen, Verfolgte und Gegner des Regimes. Die Männer und Frauen aus Bochum – dazu einige aus Essen, Dortmund, Herne, Recklinghausen, Hattingen, Witten – stammten aus allen Schichten der Bevölkerung und übten die unterschiedlichsten Berufe aus. Worüber berichteten die Menschen? Sie sprachen von ihrem alltäglichen Leben, von ihren Wünschen, Hoffnungen und Enttäuschungen, von Entbehrungen und Leiden, von Begeisterung, von willigem und aktiven Mitmachen, von opportunistischer Anpassung, von Schweigen und Schuld, von Verweigerung und Widerstand. Ihre Aussagen spiegeln so die ganze Breite menschlicher Einsichten und Erfahrungen, sie zeigen auch die ganze Vielfalt menschlicher Entscheidungen und Handlungen im NS-Staat. So sind wichtige Filmprotokolle entstanden, die während des Sprechens auch den Prozess des Erinnerns sichtbar machen, denn die Erinnerung setzt sich ja nicht nur in der Sprache fest, sondern im ganzen Körper: Ein Verstummen, ein Zögern, ein Gefühlsausbruch gehört wesentlich zur Authentizität der Person und zur Authentizität der Aussage mit hinzu. Bei diesen Filmen ist es auf eine Vielzahl von Stimmen angekommen. Deshalb sollte nicht die Lebenserfahrung einer einzelnen Person im Mittelpunkt stehen, sondern die der vielen „Normal-Menschen“: Sie sind die Hauptpersonen, ihre oft sehr  unterschiedlichen Aussagen geben den Filmen die entscheidende Struktur. Selbstverständlich musste auch die Subjektivität und die Parteilichkeit dieser Erinnerungsprotokolle berücksichtigt und die Gesprächspartner deshalb so gegeneinander „montiert“ werden, dass ihre Aussagen nicht nur das filmische Geschehen und den Erzählduktus vorantrieben, sondern dass sie sich – scheinbar – auch Stichwörter lieferten, die jeweils von den anderen aufgegriffen, ergänzt, in Frage gestellt oder widerlegt werden konnten. Ferner schien es sinnvoll, die Aussagen der Zeitzeugen und die allgemeinen geschichtlichen Tatbestände durch einen „Fach-Kommentar“ zu erläutern und zu hinterfragen.

“Diese im In-und Ausland bereits vielbeachtete Dokumentarfilme über den Nationalsozialismusim Alltag werden,  technisch neu bearbeitet, aber inhaltlich unverändert, nunmehr als DVD im Rahmen einer kommentierten Filmedition vorgelegt. In den Filmen, die sich auch auf viele einmalige und teilweise spektakuläre Aufnahmen aus Privathand stützen, geht es nicht nur um die bildliche Vermittlung von Sachinformationen, sondern ganz wesentlich auch  um das Einfangen persönlicher Erlebnisse, die sich in den Erinnerungen der zahlreich befragten und aus allen Schichten und Berufen stammenden Zeitzeugen aus Bochum und dem Ruhrgebiet widerspiegeln. Durch diese – in einen Fachkommentar eingebundenen - Spiegelungen wird die Atmosphäre und die Stimmungslage der Zeit sowie die ganze Breite menschlicher Entscheidungen und Verhaltensweisen in einem Terrorstaat deutlich. Durch die Filomedition  im Verbund mit der Buchveröffentlichung  entsteht ein multimediales Ensemble, das aus unterschiedlichen Blickwinkeln einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der NS-Zeit leisten kann. Durch den Abdruck des - stellenweise noch erweiterten - Filmtextes und durch zusätzliche historische Essays über die „Machtergreifung“ vor Ort, den Kampf gegen den Faschismus sowie Aspekte des Arbeiterwiderstands im Ruhrgebiet sollen im Buch über die Filme hinaus Fragen zur NS-Zeit aufgeworfen und Antworten gegeben werden. So ist das Buch ein eigenständiges Historisches Lesebuch.” (J. V. Wagner)

 

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